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Flugangst – Was Sie dagegen tun können

Flugangst

Wenn der Weg zum wohlverdienten Urlaub bereits für Panik sorgt: Flugangst.

Rund 60 Prozent aller Passagiere geben zu, sich beim Betreten eines Fliegers unwohl zu fühlen, Angst oder gar Panik zu verspüren. Bei einigen ist es nur ein mulmiges Gefühl, andere hindert ihre Angst überhaupt in ein Flugzeug zu steigen.

Die empfundenen Ängste sind dabei unterschiedlicher Natur. Meist ist es die Furcht vor starken Turbulenzen oder gar einem Flugzeugabsturz, aber auch Klaustrophobie kann bei Passagieren an Bord zu Unbehagen führen. Viele Passagiere haben auch Schwierigkeiten damit, dem Pilot die Kontrolle abzugeben – Ihr Leben sozusagen in fremde Hände zu legen.

Aber was kann man tun wenn man unter Flugangst leidet? Flugreisen meiden? Dies löst das Problem so gut wie nie und kann die Angst noch verstärken. Experten raten klar zur Konfrontation. Wer unter Flugangst leidet, sollte sich trotzdem immer wieder mit dem Fliegen auseinandersetzen. Dadurch können positive Erfahrungen gesammelt werden, die negative Emotionen schwächen können.

Mit der Flugangst ist man nicht alleine und mit einfachen Tricks kann man diese leicht in den Griff bekommen. FairPlane hat wertvolle Tipps für Sie zusammengestellt, wie Sie mit Ihrer Flugangst umgehen können. Zu diesem Thema haben wir auch den Psychotherapeuten und Experten Michael Nigitz-Arch befragt, welcher unter anderem Seminare im Bereich Flugangst anbietet.


FairPlane: Wie macht sich Flugangst bemerkbar?

Michael Nigitz-Arch: Typischerweise durch Angst und Panikgefühle wie: Allgemeine Unruhe, Schwitzen, Zittern der Hände, Magen- Darmprobleme (Bauchschmerzen) Stuhldrang/Harndrang, Übelkeit, Kloß im Hals, Atemnot, oder Herzrasen. Diese Symptome verstärken die bestehenden Ängste. Dieser Teufelskreis aus Angst und Symptomen kann bis zum Gefühl der Panik und Todesangst führen.

FairPlane: Warum fürchten sich viele vor dem Fliegen, aber fahren ohne Sorgen mit dem Auto?

Michael Nigitz-Arch: Wie haben keine Flügel! Spaß bei Seite, aber es stimmt. Es gibt auch Menschen die aus Angst nicht mehr Autofahren können.

FairPlane: Welche Auslöser kann es für diese Angst geben?

Michael Nigitz-Arch: Diese sind individuell sehr verschieden: Prinzipiell ist es immer die „Vorstellung von…“ die uns in Angst und Schrecken versetzt. Ein Malermeister beschrieb es so: „Ich habe eigentlich keine Angst, ich fahre mit 90 km/h mit dem Rad vom Großglockner, nur wenn ich mir vorstelle die Türen gehen zu und ich komm nicht mehr raus, dann ist es aus…“

FairPlane: Ab wann ist die Angst vor dem Fliegen krankhaft?

Michael Nigitz-Arch: Eigentlich ist Angst etwas Gesundes. Eine gesunde Reaktion des Organismus auf Gefahr. Und natürlich, ein Flugzeug kann abstürzen! (Dass es sich dabei um eines der sichersten Verkehrsmittel handelt, ist dem Organismus egal!) Wenn es, wie bei einer Allergie, zu einer Überreaktion kommt, spricht man von einer Angststörung.

FairPlane: Wie gehen Sie vor, um den Patienten die Angst zu nehmen?

Michael Nigitz-Arch: Niemand kann einem die Angst nehmen, wir brauchen sie ja um zu überleben! Aber man kann lernen der Angst ins Auge zu schauen und mit neuen Verhaltensmustern diese zu bewältigen.

FairPlane: Was kann jeder selbst tun, um seine Flugangst zu bekämpfen?

Michael Nigitz-Arch: Mut-Training (in welcher Form auch immer, beginnt schon in der Kindheit: Baumklettern z.B.) Lernen, die eigene Phantasie gut zu führen (z.B. Selbsthypnosetechniken) Entspannungstechniken (Muskelentspannung nach Jacobson, Atemtechniken…)

FairPlane: Was sollte man nicht tun, wenn man unter Flugangst leidet?

Michael Nigitz-Arch: Auf keinen Fall „vermeiden“ lernen: Alkohol, Medikamente, oder überhaupt gar nicht Fliegen bewirkt, dass die Angst nur noch größer wird!

FairPlane: Kann man Flugangst komplett heilen?

Michael Nigitz-Arch: Eigentlich ja, zu 100%. Es ist eine Frage des Trainings.  Aber wie gesagt, Ängste sind ein Teil von uns. Eine starke Kraft, die es gilt zu nutzen!


Um Ihnen mit Ihrer Flugangst zu helfen und um entspannter zu fliegen, haben wir diese wertvollen Tipps für Sie:

Risiko richtig einschätzen

Obwohl Fahrradfahren oder Autofahren um einiges gefährlicher sind, nehmen wir es nicht als Bedrohung war. Denn an große Flugzeugunglücke erinnert man sich eher als an täglich vorkommende Verkehrsunfälle. Doch diese Angst ist irrational, denn der Luftverkehr wird immer sicherer. Die Wahrscheinlichkeit durch einen Blitzschlag zu sterben ist dreimal so hoch wie durch einen Flugzeugabsturz. Statistisch gesehen müsste man 3400 Jahre lang jeden Tag fliegen, um einen Flugunfall zu erleben. Zudem ist noch nie ein modernes Verkehrsflugzeug aufgrund von Turbulenzen abgestürzt.

Viele Menschen haben auch Angst vor dem Fliegen, weil sie zu wenig darüber wissen. Ein Flugzeug fällt nicht wie ein Stein vom Himmel, sondern schafft noch etwa 200 Kilometer im Gleitflug – selbst wenn alle Triebwerke versagen. Wer das weiß, fliegt künftig viel entspannter.

Auch wenn diese Worte typische Floskeln sind um Betroffenen die Angst zu nehmen, sollte man sich immer wieder bewusst machen, wie sicher Fliegen tatsächlich ist.

Richtige Airline wählen

Gerade wenn man unter Flugangst leidet, sollte man auf die Wahl der richtigen Fluglinie achten. Buchen Sie bei einer Airline der Sie vertrauen, auch wenn es dadurch teurer sein sollte. Haben Sie das Gefühl, dass die Sicherheitsstandards und die Qualität Ihre Erwartungen erfüllen, fliegen Sie entspannter. Informieren Sie sich vorab nach positiven Erfahrungen, Kundenreferenzen oder Empfehlungen.

Die Top 3 der sichersten Airlines 2017:

Einmal im Jahr veröffentlicht das Flugunfallbüro Jacdec ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften.

Platz 1: Cathay Pacific

Platz 2: Air New Zealand

Platz 3: Hainan Airlines

Lufthansa belegt Platz 12 und Air Berlin Platz 20.

Flugpersonal und Sitznachbarn informieren

Flugbegleiter werden in ihrer Ausbildung im Umgang mit ängstlichen Passagieren geschult und haben die Aufgabe den Flug für die Passagiere so angenehm wie möglich zu machen. Scheuen Sie sich also nicht davor, das Bordpersonal anzusprechen und über Ihre Ängste zu informieren. Oft gibt es die Möglichkeit Fluggäste mit akuter Flugangst auf Plätze zu verweisen, die mehr Beinfreiheit und Komfort bieten und Passagieren dadurch helfen, sich besser zu entspannen. Außerdem gibt es die Möglichkeit durch Musik oder Filme auf andere Gedanken zu kommen. Es kann auch hilfreich sein, den Sitznachbarn oder andere Passagiere einzuweihen. Eingeweihte Personen können Sie ablenken und beruhigen. Ablenkung ist überhaupt wichtig! Nehmen Sie sich ein Buch, hören Sie Musik oder führen Sie Smalltalk mit Ihrem Sitznachbarn.

Sitzplatzwahl ist entscheidend

Grundsätzlich sind alle Sitzplätze in einem Flugzeug annähernd gleich (un-)gefährlich. Am sichersten fühlen sich die meisten Passagiere auf der Höhe der Tragfläche, da man hier am wenigsten von den Bewegungen des Flugzeuges mitbekommt. Jedoch zählen die Plätze im vorderen Bereich des Flugzeuges, in der Nähe eines Notausgangs und möglichst am Gang, zu den sichersten Plätzen. Sollten Sie unter Klaustrophobie leiden, wären Sitzplätze mit ausreichend Beinfreiheit ratsam.

Sie werden sich wohler fühlen, wenn Sie das Gefühl haben, auf einem sicheren Platz zu sitzen.

Entspannungsübungen können helfen

Es gibt verschiedene Entspannungsübungen, die in akuten Situationen helfen können, sich zu beruhigen – gerade wenn man sich schon am Flughafen befindet oder bereits in der Luft ist.

STOPP-Technik: Zuerst sollte man die Gedanken unter Kontrolle bringen. Hier eignet sich die STOPP-Technik. Immer wenn Sie über Flugängste nachdenken, sagen Sie in Ihren Gedanken zu sich: „STOPP!“. Sollten Ihre Furcht besonders stark sein, kneifen Sie sich. Das wird helfen, dass Ihre Gedanken kurz reißen. Nutzen Sie diesen Moment, um sich abzulenken und denken Sie an etwas Positives, z.B. wie sicher fliegen ist oder wie schön es sein wird, am Zielort anzukommen.

Atemtechnik: Versuchen Sie nicht hektisch zu atmen. Atmen Sie tief durch die Nase ein, zählen Sie bis drei und atmen Sie doppelt so langsam durch den Mund wieder aus. Das senkt den Adrenalinspiegel. Diese Übung können Sie auch gut während des Fluges anwenden.

Muskelentspannungsübung: Neben tiefem Ein- und Ausatmen kann auch die Anspannung bestimmter Muskelgruppen helfen, Ängste zu reduzieren. Bei der progressiven Muskelrelaxation werden einzelne Muskelgruppen angespannt und dann ruckartig wieder entspannt. Dadurch sollen unangenehme Anspannungen gelöst werden. Außerdem hilft die Konzentration auf derartige Übungen dabei, sich selbst von der Flugangst abzulenken.

Am Flugangstseminar teilnehmen

Es gibt die Möglichkeit mithilfe sogenannter Flugangstseminare zu lernen, mit seiner Angst umzugehen. Solche Seminare sind ratsam, wenn man unter Flugangst leidet und wieder entspannt fliegen möchte. Michael Nigitz-Arch bietet zusammen mit dem Flugkapitän Michael Binder ein Flugangstseminar in Salzburg an. Auch bei Lufthansa und Austrian Airlines gibt es die Möglichkeit ein solches Seminar zu besuchen.

Flugsimulator gegen Flugangst

Viele fürchten sich vor dem Fliegen, weil sie zu wenig darüber wissen. Es ist daher möglich, eigene (positive) Erfahrungen in einem Flugsimulator zu sammeln. Dort wird spielerisch erklärt, wie ein Flugzeug technisch funktioniert und wie die Praxis z.B. bei Start und Landung aussieht, welche Auswirkungen Turbulenzen haben und was passiert, wenn eines der Triebwerke ausfällt. Der Flugsimulator ist auch eine gute Möglichkeit, um den jüngeren Fluggästen das Reisen schmackhafter zu machen, denn viele Ängste entstehen bereits in der Kindheit und sind nicht angeboren.

Bekannten von der Reise erzählen

Manchmal kann es auch helfen, wenn man mehreren Personen von seinem Urlaub erzählt. Nicht nur, dass dadurch die Vorfreude wächst, man ist auch motivierter, sich seiner Angst zu stellen und die Reise nicht zu stornieren. Immerhin möchte man nicht nur von der geplanten Reise schwärmen, sondern auch die tollen Urlaubserlebnisse teilen. Überwindet man tatsächlich seine Flugangst  stehen die Chancen gut, bei den nächsten Reisen entspannter in ein Flugzeug einsteigen zu können. Denn Fliegen zu vermeiden, verschlimmert nur die negativen Gedanken und somit die Furcht.

Auf Kaffee und Alkohol verzichten

Viele Menschen, die unter Flugangst leiden, nehmen vermehrt Kaffee, Alkohol oder Medikamente zu sich, um die Angst abzuschwächen. Doch wirklich ratsam ist dies nicht. Forscher haben herausgefunden, dass Koffein die Anspannungen verstärken kann. Hinsichtlich der Flugangst können die Einnahme von Alkohol und Medikamenten das Gefühl des Kontrollverlustes verstärken. Das wiederum führt zu einer Verfestigung der Angst. Statt Kaffee sollte man hier besser Säfte oder Wasser trinken.

Nicht mit leerem Magen fliegen

Fliegen Sie nie mit leerem Magen. Das hat nämlich zur Folge, dass der Blutzuckerspiegel sinkt und Kreislaufprobleme entstehen können. Diese Symptome könnten mit der Angst verwechselt werden. Vor dem Flug eine kleine Mahlzeit einzunehmen, verhindert dieses Risiko und beruhigt Sie gleichzeitig. Denn Essen macht bekanntlich glücklich! Gönnen Sie sich ruhig einen Schokoladenriegel oder ein gesundes Vollkornbrot, bevor Sie in den Flieger steigen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie an Bord Verpflegung bekommen. Gerade bei günstigen Kurzstrecken wird häufig darauf verzichtet und muss teuer von Passagieren dazu gekauft werden.

Vermeiden Sie Stress

Wenn Fliegen für Sie bereits Stress bedeutet, versuchen Sie andere Stressfaktoren zu vermeiden. Packen Sie bereits einen Tag vor Ihrer Reise den Koffer fertig. Versuchen Sie rechtzeitig am Flughafen zu sein, um nicht in letzter Sekunde den Flieger erwischen zu müssen. Genauso ratsam ist es, nicht den frühesten Flug um 5:00 Uhr morgens zu nehmen. Das stresst nur zusätzlich und dieser Stress kann später zur Angst werden.

Keine Angst vor der Angst

Viele Passagiere haben Angst vor der Flugangst und einer möglichen Panikattacke. Der Körper macht sich bereit zur Flucht, der Puls rast, der Atem beschleunigt sich, obwohl man gar nicht in Bewegung ist. Eine Panikattacke ist zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Sie ist ein reiner Sicherheitsmechanismus unseres Körpers. Seien Sie sich dessen bewusst und akzeptieren Sie Ihre Angst. Versuchen Sie, sich abzulenken und mit Entspannungsübungen zu beruhigen. Sollte es häufiger zu Panikattacken kommen, empfiehlt es sich, die Hilfe und Unterstützung eines Therapeuten zu suchen.

Flugangst durch Flugverspätung

Da will man nur, dass alles schnell vorbei ist und dann hat der Flug auch noch Verspätung. Der Grund für so eine Verspätung (z.B. technischer Defekt) ist für Passagiere oft beunruhigend. Hier ist es hilfreich, sich vor Augen zu halten, dass ein Flugzeug nur fliegt, wenn es technisch einwandfrei ist. Nutzen Sie die Zeit, um sich weiter abzulenken. Knüpfen Sie gleich Kontakte mit den anderen wartenden Passagieren. Damit Sie die Wartezeit auch gleich mit etwas Positiven verbinden können: ab 3h Flugverspätung steht Ihnen eine Entschädigung von bis zu €600,- zu – solange es kein außergewöhnlicher Umstand war. FairPlane hilft Ihnen, Ihre Entschädigung einzufordern.

Fliegen ist nicht lebensnotwendig

Auch wenn das Entdecken fremder Länder ein großes Abenteuer ist, gibt es genug Leute, die lieber im eigenen Land bleiben oder näherliegende Orte mit dem Zug oder Auto bereisen. Hier ist es leicht auf Flugreisen zu verzichten und man muss sich der Flugangst nicht stellen. Sollten Sie merken, dass Sie absolut nicht fliegen wollen, aber bereits einen Flug gebucht haben, können Sie ihn immer stornieren. Unser Service TicketRefund hilft Ihnen auch bei nicht stornierbaren Flugtickets bis zu 95% der Kosten zurückzuholen.

Wir raten trotzdem allen Betroffenen, sich nicht von Ihren Ängsten aufhalten zu lassen. Wenn der Wunsch groß ist, ein neues Land zu entdecken, dann schafft man es seine Flugangst zu besiegen. Sicher werden Sie es nicht bereuen!

Sollten die Flugängste besonders ausgeprägt sein, wird dennoch empfohlen einen Arzt aufzusuchen. Angststörungen können therapeutisch behandelt werden.